Teachers' assessment of linguistic difficulty of science tasks for students at risk
Gefördert von der DFG
Laufzeit 1.4.2025 - 31.3.2028
Projektbeschreibung
In diesem Projekt werden zwei bisher weitgehend unverbundene Forschungsstränge zusammengeführt, und zwar Forschung zu Verzerrungen bei der Beurteilung von Schüler:innen durch Lehrende einerseits und Forschung zur sprachlichen Gestaltung von Aufgaben andererseits.
Die sprachliche Gestaltung von Aufgaben wird dabei als ein Faktor untersucht, der die Schwierigkeit von Aufgaben mitbestimmt und Lehrkräften somit wichtige Informationen zur Beurteilung von Schüler:innen entsprechend ihrer Leistung in diesen Aufgaben liefern kann. In diesem Projekt werden dabei Schüler:innen betrachtet, die nach aktuellen Schulleistungsstudien als Risikogruppe gelten können und bisher nur wenig im Zusammenhang mit Urteilsverzerrungen untersucht wurden.
Dabei ist auf Basis von Studien zu Urteilsverzerrungen bei Schüler:innen negativ stereotypisierter Gruppen zunächst anzunehmen, dass Schüler:innen dieser Gruppe im Vergleich zu Schüler:innen, die nicht dieser Gruppe angehören, stereotyp negativ verzerrt beurteilt werden. Allerdings kann dem Shifting-Standards-Modell folgend auch angenommen werden, dass Lehrende ihren Bewertungsstandard entsprechend der Aufgabenschwierigkeit (hier sprachlich manipuliert) anpassen und Schüler:innen der Risikogruppe bei schwierigen Aufgaben nicht negativer oder sogar positiver bewerten.
Fragestellung
In dem Projekt wird dies in den Fächern Physik und Chemie in insgesamt drei Forschungsfragen untersucht:
- Erstens stellt sich die Frage inwiefern Lehrende Physik- und Chemie-Aufgaben mit variierender sprachlicher Komplexität als unterschiedlich schwierig einschätzen.
- Zweitens wird untersucht, welche Rolle die Zugehörigkeit von Schüler:innen zur Risikogruppe bei der Beurteilung der Schüler:innen durch Lehrende bei sprachlich unterschiedlich schwierigen Physik- und Chemie-Aufgaben spielt.
- Drittens wird untersucht, ob explizite Hinweise auf die Beachtung der sprachlichen Komplexität der Aufgaben zu einer Veränderung der Leistungsbewertungen der Schüler:innen durch Lehrende führen.
Methoden
Im Projekt werden insgesamt sechs experimentelle Studien durchgeführt, die zu jeder Forschungsfrage konzeptuelle Replikationen der Befunde in einem zweiten Fach beinhalten. Die erste Forschungsfrage wird in einem within-subjects Design untersucht, in dem Aufgaben unterschiedlicher sprachlicher Komplexität randomisiert zugewiesen werden und hinsichtlich ihrer Schwierigkeit eingeschätzt werden sollen. Die zweite und dritte Forschungsfrage wird jeweils mit experimentellen Vignettenstudien umgesetzt, in denen Lehrende die Leistung von experimentell hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe manipulierten Schüler:innen bewerten sollen.
Zielsetzung
Die Ergebnisse können wichtige Erkenntnisse für Modelle zur Entstehung diagnostischer Urteile von Lehrenden liefern und mögliche Effekte der sprachlichen Gestaltung von Aufgaben zur fachlichen Leistungsprüfung verdeutlichen.
Team
Nadine Cruz Neri, UHH (Ansprechpartnerin)
Jan Retelsdorf, UHH
Sascha Bernholt, IPN Kiel
Hendrik Härtig, UDE Essen